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LRFT16: Wie Radio mit Snapchat, YouTube & Visual Radio seinen Swagg zurück bekommt – Teil 2

Wie kann Radio wieder attraktiver für junge Zielgruppen werden? Welche Medienakteure sind derzeit in diesem Bereich erfolgreich? Was ist ihr Geheimnis? In Teil 1 unseres Rückblicks zu den Lokalrundfunktagen 2016 haben wir bereits die Erfolgsfaktoren von YouTubern vorgestellt. In diesem Teil haben wir euch ganz konkrete Best-Practice-Beispiele zusammengefasst, wie diese Faktoren auch für Radio übertragen werden könne.

Snapchat – Das perfekte Tool für Radiomacher

Eine spannende Keynote auf den Lokalrundfunktagen 2016 hielt – live aus den USA zugeschaltet – Mark Kaye, der weltweit wohl bekannteste Radiomoderator auf Snapchat. Im Panel „New Radio mit Snapchat Special – Radio auf neuen Plattformen“ hatte er gleich zwei Anwendungsfälle für modernes Radio im Gepäck. Seiner Meinung nach ist Snapchat wie geschaffen für Radiomacher, weil die Kanäle einiges gemeinsam haben: „Snapchat is a perfect tool for broadcasting – it is specialized in short content, its content is entertaining and informing and it disappears after sending – just like classic radio!“.

So besitzt er auf Snapchat die Talkshow „Talkin’ Snap, in der er zweimal die Woche einen Gast über Snaps interviewt. Das Ergebnis wird sowohl auf Snapchat gesendet und das zusammengeschnittene Video findet sich schließlich zum Nachschauen auf YouTube wieder. Sein zweiter Usecase entstand aus der Problematik heraus, Sonntag abends eine Polit-Talkshow im OnAir-Programm zu moderieren, bei der das Hörerfeedback in der Livesendung jedoch sehr gering war. (In den USA wird traditionell Sonntag abends Sport im TV geschaut.) Seine Lösung für das Problem: Per Snapchat die Fragen an seine Community im Voraus stellen und die Antworten per Audio in das Live-Programm integrieren. Das ganze schneidet er später auch noch als Video zusammen und snapt es dann wieder über seinen Account.

Radiomoderator als Personality auf Facebook und Snapchat

Ein deutsches Beispiel für die clevere Einbindung digitaler Kanäle in das Radioprogramm gab BigNick, Morgenmoderator bei 89.0 RTL. Er kommuniziert mit seinen Hörern und Fans über Facebook und Snapchat. Die echte Würdigung des Feedbacks und kurze snackbare Postings stehen auch bei ihm im Mittelpunkt. Außerdem lässt er seine Follower immer wieder an seinem täglichen Leben teil haben. So forderte er sie beispielsweise auf, ihm für seine Panelteilnahme auf den Lokalrundfunktagen Tipps zu geben. „Komm ganz natürlich in kurzer Hose, wie du es auch im Studio tust.“ oder „Empfehle den Leuten mal einen Besuch in Erfurt!“, waren darauf Antworten.

Es muss nicht immer Snapchat sein

Wie Visuelles Radio ganz ohne Snapchat umgesetzt werden kann, stellte Christoph Aebersold, Leiter Strategie & Angebote im Bereich Junge Zielgruppen von Schweizer Radio und Fernsehen SRF, vor. Beim Jugendsender SRF Virus wurde dazu ein „Visual-Radio-Studio“ gebaut, in dem Sendungen sowohl per Audio für das OnAir-Programm, als auch mit Kameras aufgezeichnet und später auf YouTube veröffentlicht werden. Das Motto bei der redaktionellen Gestaltung gilt jedoch: Wir machen kein bebildertes Radio, sondern wertvollen, shareable Content! Dafür wurden im Sender gezielt Video-Kompetenzen aufgebaut. So wurden etwa neue Job-Profile geschaffen, wie der „Digital Storyteller“ oder 360°-Konzepte für kreative Radio-Personalities. SRF Virus entwickelte für das Visuelle Radioprogramm spezielle Kurzvideo-Formate, die sich durch ihren emotionalen Inhalt bestens für Bewegtbild eignen. Das reicht von Studio Sessions mit Schweizer Newcomern bis zur ruhigen und intimen Sendung „S.O.S. – Sick of Silence“, bei der kranke, junge Menschen von ihrem Alltag mit ihrem Schicksal sprechen.

Radio brauch mehr Mut für Experimente

Was ist also das abschließende Fazit aus all diesen Paneldiskussionen der Lokalrundfunktage 2016? Ein Radiomacher aus dem Publikum brachte es mit einem Zitat von Oliver Kahn ganz treffend auf den Punkt: „Radio braucht Eier“. Also den Mut, jungen Talenten den Raum für Experimente zu geben, Persönlichkeiten zu fördern, neue Verbreitungswege zu nutzen und diese mit dem USP des Radios zu verbinden. „Wir sind der Kumpel auf Knopfdruck, der Spannendes zeitnah aus der Welt erzählt“, meinte auch Florian Brückner. Wenn Radio diesen Trumpf wieder zeitgemäß ausspiele, werde auch das Ansehen bei jungen Leuten steigen – sowohl für den Radionachwuchs, als auch für die Hörerschaft.

Kategorie:

Markt

Datum:

12. Juli 2016

Autor:

Katharina Meißner, Marketing und PR

Katharina ist bei CrowdArchitects für den Bereich PR und Marketing zuständig und hat schon während ihrer Masterthesis ihr Herz an CrowdRadio verloren. Die studierte Medienmanagerin jongliert gerne mit Worten, schwört auf ihren englischen Schwarztee und hat zu beinahe jeder Lebenssituation ein Zitat aus den Simpsons parat.

Kommentare

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Pingbacks

  1. LRFT16: Wie Radio seinen Swagg zurück bekommt – Teil 1CrowdArchitects Blog

    15. Juli 2016, 10:35

    […] Radioarbeit vor. Mehr zu den Best-Practice aus den USA, Deutschland und der Schweiz erfahrt ihr im zweiten Teil unseres Rückblicks auf die Lokalrundfunktage […]

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