CrowdRadio

Das Radio von morgen: DAB+, Crowdsourcing und weitere Themen – ein Podcast Tipp

Anlässlich des zweiten Geburtstags von detektor.fm im Dezember letzten Jahres veranstaltete der Radiosender eine Podiumsdiskussion, in der einige sehr interessante Aussagen über die Zukunft des Radios in Deutschland getroffen wurden. An der Diskussion beteiligten sich

  • Robert Skuppin – neuer Programmchef von radioeins (rbb),
  • Stefan Fischer – Autor der Medienredaktion der Süddeutschen Zeitung,
  • Mercedes Bunz – Publizistin und Expertin für digitale Medien, Mitautorin des Internet-Manifests und
  • Boris Lochthofen – Leiter Kommunikation und Politik Radioholding Regiocast.

Der Mitschnitt der Diskussion steht bei detektor.fm zum Download zur Verfügung.

Aus meiner Sicht wurden ein paar sehr treffende Aussagen zu den Themen DAB+ sowie Crowdsourcing im Radio getroffen, die ich an dieser Stelle gerne zitieren möchte:

Die große Chance von DAB+ ist es, nationales Radio abseits von Deutschlandradio, Deutschlandfunk, Klassikradio, die sich das auf UKW zusammengestückelt haben, nationales Radio zu machen. Wir sind das einzige europäische Land, in dem es keine privat finanzierten nationalen Kanäle auf UKW gibt. DAB ist dafür ein Instrument nicht mehr. (Boris Lochthofen, Regiocast)

Dieser Aspekt ist außerordentlich spannend. Denn durch die Einführung von digitalem Radio und somit der Beseitigung der Frequenzknappheit bei UKW-Radio schafft. Das hat wiederum zur Folge, dass Radiosender durch Verteilung der Frequenzen nicht dazu gezwungen werden regionale Inhalte zu liefern und somit zur Refinanzierung auf Reichweite setzen zu müssen. Dieser Zwang hatte bisher die Folge, dass vor allem regionale Programme sich inhaltlich dem Mainstream anpassen mussten. Durch die Einführung von DAB+ entfällt diese technische regionale  Schranke, was plötzlich auch für Spartenprogramme die notwendige Reichweite mit sich bringt, um einen Sender über Werbung zu refinanzieren.

Gegen Ende der Diskussion stellt eine Dame aus dem Publikum die Frage, ob Crowdsourcing dazu geeignet ist interessante und neue Inhalte für das Radio zu generieren, woraufhin folgende Antwort gegeben wird:

Also man muss sagen, in england gibt es die Tradidition des Crowdsourcing schon vor dem Internets. Die Nähe zum Hörer/User ist in dem Medium Radio traditionell sehr stark. Das kann man für bestimmte Geschichten nutzen, im Regionalen ist das auch immer schon sehr stark gewesen. Je regionaler ein Medium ist, desto mehr fragt es auch die User ab, um darüber Stimmen einzufangen – die Leute hören sich ja gerne sprechen. Das ist gar nicht so neu, wie wir oft tun. Man kann sich überlegen, wie man das professioneller einsetzen kann und neue Formate machen. Das ist die Richtung, in die das geht. Da ist man in Deutschland grad am Tasten (Mercedes Bunz)

Wir haben das diskutiert bei radioeins, als wir die Programmreform gemacht haben, gerade weil es Kritik an der einen oder anderen Stelle gab, gabs den Vorschlag – den ich auch ganz spannend fand – zu sagen, dass in den nächsten Schritten vielleicht Facebook dazu zu nutzen, um bestimmten Hörern, also einer kleineren Community, mal ein Format vorzustellen, was wir planen umzusetzen und von den praktisch ein Feedback vorab zu bekommen, als Gelegenheits oder auch Stammhörer, um sich damit beschäftigen zu können. Das hätte dann mehrere Funktionen, die da erfüllt werden: Die sind eingebunden an der Stelle, für uns ist es spannend, was sie dazu sagen und können es sogar möglicherweise mit begleiten oder sogar auch Vorschläge machen wie man, wie man das auch anders entwickeln könnte. Also das haben wir zumindest diskutiert. Das Problem ist ein bisschen – das ist bei der Diskussion auch herausgekommen – dass man bei der Diskussion auch immer nur einen bestimmten Hörertypus auch findet. Man hat immer das Gefühl, es wird super demokratisch an der Stelle aber natürlich sind auch bei Facebook nur einen sehr, sehr kleinen Teil, der sich aktiv bei der Diskussion beteiligt – und es sind auch immer wieder die gleichen. (Robert Skuppin)

Das ist interessant, weil hier die Medien von der Politik was lernen können. Wenn man sich Obamas Wahlkampf ansieht, der ja ganz stark graswurzelartig betrieben wird, dann ist da ein Bewusstsein zu erkennen, dass man den Wähler aktivieren muss. Man muss die Politik oder die politische Tätigkeit herstellen. Und das ist ein Problem im Medienbereich, wo man denkt, wir aktivieren die Hörer lieber nicht, weil man diese lauten Leserbriefverschreier oder diese aufgeregten Menschen gewohnt ist, die da ins Mikrofon schreien oder in den Telefonhörer brüllen, von denen man jetzt nicht schon wieder was hören will. Man muss sich überlegen: Wie aktiviere ich eigentlich die schweigende Mehrheit? Wir gehen, glaube ich, mit diesen neuen Medien ein bisschen in die Richtung von repräsentativer Demokratie auf partizipative Demokratie. Dann ist wirklich die Frage, wie kriegt man diese „silent Majority“ zum Sprechen und auch zum mitmachen? Das Schöne für die Medienmacher ist ja, wenn die erstmal mitmachen, dann hören die da auch wieder rein – das ist ja ihr Medium geworden. Von daher gibts da auch ein ganz brutal marketintechnisches Interesse an Crowdsourcing. (Mercedes Bunz)

Insbesondere der letzte Teil der Antwort von Mercedes Bunz ist interessant. Die schweigende Mehrheit ist es, die aktiviert werden muss, um Hörerbeteiligung interessant zu machen. Es ist ein Fehler, die Telefonschreier zu scheuen und deshalb die Hörerbeteiligung unnötig einzuschränken.

Die Podiumsdiskussion brachte insgesamt einige sehr interessante Themen und Meinungen auf den Tisch. Es bleibt zu hoffen, dass die Fürsprecher der durch digitales Radio geschaffenen Inhalte gehört werden und die Entwicklung dementsprechend voran schreitet.

Kategorie:

Technologie

Datum:

9. Januar 2012

Autor:

Hannes Mehring, Geschäftsführung, UX Konzeption

Hannes ist Gründer von CrowdRadio. Schon während seines Medienwissenschaft-Studiums beschäftigten ihn, welche Auswirkungen die übermächtig scheinenden sozialen Medien auf klassische Medien haben - der Grundstein für CrowdRadio. Hannes hat ausgeprägte norddeutsche Wurzeln, weshalb er seinen Hang zur Natur gerne auch auf dem Wasser auslebt.

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