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Kommunikation à la Bahn: Zum Glück gibt’s Agenda Setting

Es ist doch jedes Jahr das Gleiche: Die Temperaturen steigen auf eine Marke jenseits der 30 Grad und der passionierte Bahnfahrer weiß sich auf das Chaos einzustellen. Viele können schon nicht mehr zählen, wie viele kostenlose Getränke ihnen die Bahn aufgrund ausgefallener Klimaanlagen ausgegeben hat.

Doch irgendwas scheint dieses Jahr anders zu sein. Genau, es war die Schulklasse am Wochenende des 11. Julis, die aus einem überhitzten ICE evakuiert werden musste und somit die deutschen Medien auf den Plan rief. Und seit dem scheint das Thema plötzlich so akut zu sein, dass es die Bahn PR-technisch ins Straucheln bringt – wieder ein mal.

Medienanalytisch ist der Ausfall der Klimaanlagen weniger interessant, als der Aspekt, dass bei solchen Sommerloch-typischen Themen Agenda Setting nach wie vor prima zu funktionieren scheint. Während die Bahn zunächst von einem „bedauernswerten Einzelfall“ spricht, greifen diverse Onlinenachrichten das Thema auf und halten es seit Tagen auf den Startseiten ihrer Websites – plötzlich räumt die Bahn Mängel ein und kündigt an, sich bessern zu wollen. Das Thema scheint – zumindest online – in aller Munde. Man hat jedoch eher das Gefühl, manch Twitterer nimmt die Bahn in Schutz. Das allseits beliebte „Bahn bashing“ verbreitet sich kaum.

Vielleicht ist es aber auch eine resignierte Haltung des Twittervolks: Bahn-Tweets werden eh nur von Leidensgenossen wahrgenommen. Auch nach Jahren großer „Der Kunde ist König“-Töne, ist die Bahn in den Weiten des Social Webs nicht aufzufinden. Vermutlich ist die Angst davor zu groß, auf ein Thema ad hoc ehrlich antworten zu müssen, um im Shitstorm nicht zu viele Federn zu lassen.

Es gibt offenbar Unternehmen, bei denen das Twitter-Kollektiv wenig Macht ausüben kann. Doch zum Glück ist das Bahnfahren unter Journalisten weit verbreitet. Gut, dass Agenda Setting noch funktioniert.

Kategorie:

Markt

Datum:

15. Juli 2010

Autor:

Hannes Mehring, Geschäftsführung, UX Konzeption

Hannes ist Gründer von CrowdRadio. Schon während seines Medienwissenschaft-Studiums beschäftigten ihn, welche Auswirkungen die übermächtig scheinenden sozialen Medien auf klassische Medien haben - der Grundstein für CrowdRadio. Hannes hat ausgeprägte norddeutsche Wurzeln, weshalb er seinen Hang zur Natur gerne auch auf dem Wasser auslebt.

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