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Berufsbild Social Media Manager

Kürzlich veröffentlichte die Jobsuchmaschine monster.de einen Artikel und formulierte darin den Bedarf nach einem neuen Berufsbild des Social Media Managers. Monster.de sieht den Social Media Manager in einer zentralen Stelle im Unternehmen zwischen PR, Marketing, Vertrieb und Personal. In der Forderung wird jedoch die neue Denkweise von Social Media wieder einmal nicht berücksichtigt.

Von der Stelle des Social Media Managers aus wird zentral die Unternehmenskommunikation mit digitalen sozialen Netzwerken und den Nutzern dahinter gesteuert. Die sogenannten Influencer Relations, also die Beziehungen zu Personen die Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung haben, soll durch den Social Media Manager abgedeckt werden.

Dieses neue Berufsbild, kombiniert mit der Forderung nach einer entsprechenden Ausbildung, ist natürlich etwas gewagt. Andreas Ingerl kritisiert zurecht, dass die wissenschaftliche Grundlage für entsprechende Schritte noch gar nicht existiert: Die Halbwertszeit eines Fan-Daseins oder der Gruppenmitgliedschaft eines Kunden ist bislang wenig bis gar nicht evaluiert. Eine Ausbildung zu entwickeln, die drei und mehr Jahre dauert, ist eine Maßnahme, die vor allem auf Nachhaltigkeit ausgerichtet sein sollte – ganz im Sinne von Social Media.

Social Media als Ergänzung zu klassischer PR?

Die Forderung von monster.de mehr Social Media-Kompetenz im Unternehmen zu integrieren kann ich unterstützen, die Frage ist nur wie das aussehen soll. Widersprüchlich erscheint mir, dass vor allem eine ausführende Tätigkeit formuliert wird. Die Ausbildung von technischen und soziologischen Kompetenzen sollte viel mehr die Grundlage einer Stab-Stelle sein, von der direkter Einfluss auf PR, Marketing und Personal ausgeübt werden kann. Warum? Weil Social Media kein vom produktiven Bereich eines Unternehmens abgekoppeltes Thema sein darf.

Stichwort Nachhaltig- oder Glaubwürdigkeit. Transparenz von Unternehmen ist zumindest von Seiten der Kunden ein gewünschter Social Media-Effekt. Ich prognostiziere mal, dass es noch ein paar Jahre dauert, dann werden es Kunden als selbstverständlich ansehen, dass ein Unternehmen seine Philosophie und Geschäftspraktiken kontrollierbar im Internet offenlegt. Nur die Unternehmen, die sich an diesen Kodex halten, werden nachhaltig erfolgreich sein. Eine zweigleisige Arbeit  von PR-Abteilung und Social Media Manager ist dann undenkbar. „Dreiste PR-Lügen“ würden die Arbeit des Managers vollständig zerstören.

Ein zweiter Aspekt ist die Bündelung der Social Media Aufgaben auf eine oder wenige Personen. Meine Antwort auf die oben genannte Frage „wie sollen wir das schaffen?“ lautet eigentlich immer: Verteilung auf das Unternehmen. Es ist offenkundig bekannt, dass die eigenen Mitarbeiter die besten Botschafter der Firmenphilosophie sind. Gibt jede Abteilung nur wenige Prozent ihrer Leistungsfähigkeit in die Unterhaltung von sozialen Medien ab, ist der Bedarf an Bereitstellung von Informationen bereits gedeckt. Mit dem Effekt, dass die Informationen glaubwürdig und ausreichend vorhanden sind – ohne dass eine Person oder Abteilung unverhältnismäßig viel Mehrarbeit leisten muss.

Medienkompetenz oder neues Berufsbild?

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass mir an der momentanen Forderung nach dem Berufsbild des Social Media Managers zu sehr die „neue Denkweise“ fehlt. Es wird – wie so oft – ein weiterer Multiplikator an bestehende Strukturen angekoppelt. Dass die Transparenz durch Social Media einen Strukturwandel bedeutet geht leider völlig verloren. Prinzipiell sehe ich es jedoch als wichtig an, die Kompetenzen von Mitarbeitern in Bezug auf soziale Medien auszubauen. Ob man hier jedoch auf Medienkompetenz oder auf ein neues Berufsbild setzen soll, bin ich mir nicht sicher.

Kategorie:

Markt

Datum:

1. Juni 2010

Autor:

Hannes Mehring, Geschäftsführung, UX Konzeption

Hannes ist Gründer von CrowdRadio. Schon während seines Medienwissenschaft-Studiums beschäftigten ihn, welche Auswirkungen die übermächtig scheinenden sozialen Medien auf klassische Medien haben - der Grundstein für CrowdRadio. Hannes hat ausgeprägte norddeutsche Wurzeln, weshalb er seinen Hang zur Natur gerne auch auf dem Wasser auslebt.

Kommentare

  1. Kerstin Hoffmann

    1. Juni 2010, 9:14 · Antworten

    Also, mir fehlt allerdings in allen diesen Ausführungen zum Thema Social-Media-Manager oft vor allem die alte Denkweise! Social Media kann man nur gut machen, wenn man weiß, wie Kommunikation funktioniert. Dazu braucht man vor allem eine klassische Ausbildung. Natürlich muss man dann in der Lage sein, die Anforderungen und Gesetzmäßigkeiten der neuen Medien zu erkennen. Aber dazu sollte ein Kommunikationsprofi sowieso in der Lage sein.

  2. Marie-Christine Schindler

    1. Juni 2010, 9:31 · Antworten

    Ein guter Beitrag, der die Problematik des Social Media Managers aufzeigt. Ich schliesse mich Kerstin an: Basis ist die solide PR-Ausbildung. Dass ein PR-Profi ohne weiteres die Anforderungen und Gesetzmässigkeiten der neuen Medien erkennt, wage ich zu bezweifeln. Ich stelle bei vielen Kolleginnen und Kollegen eine Schwellenangst fest, die dann hinter dem Argument des Zeitmangels versteckt wird. Genau hier muss meiner Meinung nach die Ausbildung einsetzen. PR-Schaffende müssen ermutigt werden, die neuen Möglichkeiten der Kommunikation im Social Web kennenzulernen und auszuloten. Learning by doing ist die eine Seite, ein Minimum an theoretischen Grundlagen für die Orientierung und Argumentation die andere. Hierfür braucht es übrigens keinen dreijährigen Lehrgang.
    Neu ist, dass PR-Schaffende die Kommunikation nicht mehr alleine stemmen, sondern vielmehr als (Social Media-)Coaches im Unternehmen aktiv sind und so einen breite Abdeckung der Kommunikation im Social Web ermöglichen. Auch dafür müssen sie fit gemacht werden.

  3. Lüder Brüggemann

    1. Juni 2010, 10:20 · Antworten

    Ich kann die Kommentare über mir unterstreichen. Meiner Meinung nach ist es völlig übertrieben, ein neues Berufsbild zu schaffen. Social Media müssen in bestehende Medienberufe integriert werden. Schließlich gibt es auch keine „Printmedien-Manager“ oder „TV-Manager“ innerhalb der PR. Social Media sind einfach ein neuer Kanal, den es zu verstehen und zu bespielen gilt. Workshops und Seminare, wie zum Beispiel die Social Media Akademie, die helfen, die „neuen Medien“ zu verstehen, haben in meinen Augen demnach auch eine Daseinsberechtigung. Doch man sollte nie den Blick für die „alten Medien“ verlieren. Denn (noch?) sind auch diese nicht wegzudenken.
    Eine einseitige Fokussierung auf Social Media ersetzt, soweit ich das am Anfang meiner „Karriere“ beurteilen kann, keine umfassende PR-Ausbildung mit all ihren Facetten.

  4. Hannes Mehring

    Hannes

    1. Juni 2010, 10:26 · Antworten

    @all: Danke für die Kommentare! Ich möchte noch mal unterstreichen, dass ich eine neue Ausbildung bzw. ein neues Berufsbild auch infrage stelle.
    Allerdings sehe ich in der klassischen PR-Arbeit ein Auslaufmodell und des weiteren wird es sinnvoll sein, einen zentralen Ansprechpartner in Social Media-Fragen im Unternehmen zu geben. Dass diese Person jedoch in einer möglichen PR-Abteilung integriert ist, kann ich mir gut vorstellen.

    Unumgänglich wird es sein, die klassische PR-Ausbildung grundlegend zu überarbeiten. Persuasive Kommunikation – ein zentraler Bestandteil der klassischen Ausbildung – ist überholt.

    Der Aussage „Social Media sind einfach ein neuer Kanal, den es zu verstehen und zu bespielen gilt.“ möchte ich übrigens entschieden widersprechen.

  5. Lüder Brüggemann

    1. Juni 2010, 10:43 · Antworten

    Ja das ist in der Tat etwas platt ausgedrückt.

    Was ich meine ist, dass Social Media eine neue Mediengattung mit ihren eigenen Spiel- und Kommunikationsregeln sind und die Art wie Menschen miteinander kommunizieren verändern werden. Und diese Regeln müssen verstanden werden, um erfolgreich mit dieser neuen Gattung arbeiten zu können.

  6. Chris

    1. Juni 2010, 11:26 · Antworten

    Ich denke es ist ein falscher Weg den so genanten Social Media Manager in die PR-Abteilung einzugliedern. Den dieser könnte, neben seiner Rolle als („digitaler“) Kommunikationsprofi, eine Schnittstellenposition besetzen, welche zwischen den Abteilung wandern kann.

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  1. Tweets that mention Social Media Schmiede » Berufsbild Social Media Manager » Brand Management, Jobs, Management, Personal, PR, Stelle -- Topsy.com

    1. Juni 2010, 9:47

    […] This post was mentioned on Twitter by Andreas Kühn, Hannes Mehring. Hannes Mehring said: Neu in der Schmiede: Berufsbild Social Media Manager http://bit.ly/9VIe5L […]

  2. Medien Ausbildung | Mister Info

    8. Juni 2010, 11:09

    […] Qualifikation durch Medien Ausbildung.
    Mit einer Medien Ausbildung sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt eine Stelle zu finden groß. In der Medienbranche gibt es unterschiedliche Richtungen, die man einschlagen kann. […]

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